Handysucht – Vernichten wir unsere Intelligenz?

„It is okay to own a technology, what is not okay is to be owned by technology.“   

Abhijit Naskar 

 

Das Handy – wir alle haben es, wir alle benutzen es, doch was macht es mit uns? 

 

Seit einigen Jahren sind viele, oft ältere, Menschen überzeugt, dass das Handy die jüngere Generation verblöden würde. Expertenmeinungen gehen bei diesem Thema oft auseinander. Wissenschaftliche Studien, wie zum Beispiel die One Century of Global IQ Gains-Studie, zeigen jedoch, dass der IQ von jüngeren Menschen im Durchschnitt höher ist als der von älteren. Was sich allerdings rapide verschlechtert hat, ist die Aufmerksamkeitsspanne, wie die Association between mobile phone use and inattention in 7102 Chinese adolescents-Studie zeigt. 

 

Was jedoch auch ein oft gehörter Vorwurf ist, ist, dass „die jungen Menschen heutzutage ja gar keine Ahnung hätten, alle immer nur am Handy“. Dieses Vorurteil lässt sich jedoch teilweise widerlegen, denn an der Lornsenschule wurde ein Allgemeinwissenstest durchgeführt. Parallel wurde die tägliche Bildschirmzeit der Befragten ausgewertet. 

 

Wir erstellten diesen Test in der Hoffnung, einen Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und den falschen Antworten der Schüler zu finden – doch es gibt ihn nicht.   

Im Schnitt haben die Befragten der achten Klasse ca. 70 %, die Befragten aus der neunten Klasse ca. 80 % des Tests richtig beantwortet. 

 

Dennoch kann dieser Test nicht die Intelligenz eines Menschen anhand von Antworten zeigen, da ein Unterschied zwischen Allgemeinwissen und Intelligenz besteht. Allgemeinwissen ist eine Sammlung von Informationen, die durch Lesen oder Hören von Fakten erlangt werden können. Hingegen versteht man unter Intelligenz die Fähigkeit, neue Informationen zu verarbeiten, um Probleme zu lösen oder sich an neue Umstände anzupassen. 

 

Viele intelligente Menschen verfügen über ein breites Allgemeinwissen; Menschen, die weniger intelligent sind, können aber dennoch über ein ebenso breites Allgemeinwissen verfügen. Unser Allgemeinwissenstest sagt also eher aus, wie gut eine Person sich Informationen merken und abspeichern kann. 

 

Intelligenz wird von der Wissenschaft als kognitive Fähigkeit angesehen. Was auf den ersten Blick nicht relevant scheint, ändert jedoch sehr viel, denn viele Studien, wie z. B. Facebook and texting made me do it: Media multitasking and academic performance, zeigen, dass die Nutzung des Handys in Lernphasen die Leistung des Gehirns beeinträchtigt, was zu schlechterem Abschneiden führt. 

 

Die sozialen Medien haben zudem auch einen großen Einfluss auf unsere Selbstregulation, was vor allem bei jüngeren Menschen zu Emotionsstörungen (z. B. Depressionen) führen kann. Wichtig ist zu wissen, dass soziale Medien allein nicht der Grund für eine Störung sind, aber ein Verstärker sein können.   

Mangelnde Selbstregulation kann zum Verfehlen von Zielen führen, was sich zu einer dauerhaften Gewohnheit entwickeln kann. Deshalb ist es so wichtig, dass vor allem Kinder schon früh lernen, sich zu kontrollieren. 

 

Also ja – Handys machen uns in gewisser Weise dumm. Sie halten uns davon ab, unser volles Potenzial auszuschöpfen. Wir werden nicht dümmer geboren; unser Verhalten und der Umgang mit Medien lassen uns unsere volle Intelligenz nur nicht ganz entfalten. 

 

Doch Medien werden in unserer Welt immer wichtiger, denn schon jetzt sind wir auf Handys oder Laptops angewiesen. Computer leiten Boarding-Check-ins, und künstliche Intelligenz hilft schon heute bei der Krebserkennung. Voraussichtlich werden wir in Zukunft immer mehr Kontakt mit Handys haben.   

Wer schuld ist an der ganzen Sache oder die Verantwortung trägt, lässt sich schwer sagen. Doch was zählt, ist, wie wir im Hier und Jetzt damit umgehen, denn leiden tun vor allem die Jüngsten, welche ohne Vorwarnung in eine Welt voller Tücken und Fallen hineinwachsen. 

 

Doch einen Lichtblick gibt es: Die Menschheit hat schon viele Krisen und Krankheiten überwunden, sei es die Pest oder die Spanische Grippe. Alles hat ein Ende, auch wenn es hoffnungslos scheint. Menschen lernen und sind in der Lage, Probleme zu lösen.   

Ältere Menschen sehen oft die Probleme, da sie selbst nicht betroffen sind, doch es ist längst nicht mehr nur ein „Problem“ – es ist eine Sucht. 

 

Jeder Einzelne kann etwas dazu beitragen, dass wir weniger am Handy sind – vielleicht einfach mal Zeit mit den Eltern verbringen oder öfter rausgehen. Es gibt fast unendlich viele Alternativen für das Handy, man muss es nur wollen. 

 

Wir haben uns natürlich nicht nur auf die jüngere Generation fokussiert, sondern auch ein paar unserer Fragen an die Generation Y, auch bekannt als die Millennials, gestellt. Viele unserer befragten Lehrer haben dieselbe Meinung, wenn es um die Handynutzung der Schüler/innen geht. Sie sind der Meinung, Schüler/innen im Alter von sieben bis dreizehn Jahren sollten noch gar kein Handy haben oder es sollte eine Bildschirmzeitbegrenzung geben, „da es sich sonst auf die Konzentration der Schüler/innen auswirken könnte“. 

 

Im Unterricht von einem unserer Informatiklehrkräfte haben wir die Frage gestellt: „Wie lange sind Sie denn täglich in den Medien aktiv?“   

Er hat geantwortet: „Naja, ich arbeite da täglich dran, aber nur für Freizeit sind es mindestens zwei Stunden am Tag.“   

Ein anderer unserer Lehrer hat auf die Frage geantwortet: „Täglich bin ich schon bis zu fünf Stunden an meinen Geräten dran, jedoch hängt es davon ab, wie viel Zeit ich an meinem Laptop verbringen muss, da ich schließlich meine Präsentationen für den Unterricht darauf erstelle.“ 

 

Eine weitere Frage, die wir gestellt haben und die eindeutig mit einem ausdrücklichen „Ja“ beantwortet wurde, war: „Denken Sie, dass eine hohe Bildschirmzeit in den sozialen Medien das Lernpotenzial der Schüler/innen verändert?“ 

 

Da sich viele Schüler/innen täglich fragen: „Wie kann ich denn jetzt weniger Bildschirmzeit haben?“, wurde uns die Antwort darauf klar und deutlich gegeben:   

„So viele Kinder haben heutzutage keine Hobbys. Dann ist es klar, dass sie so fixiert auf ihre Handys sind, wenn sie nicht mal von ihren Eltern rausgehen müssen, sondern nur im Bett liegen können!“   

Noch eine Antwort war: „Apps löschen! Oder sich wenigstens eine klare Begrenzung geben. Es gibt schließlich heutzutage Apps, mit denen man das einstellen kann. Und wenn man so etwas nicht selbst machen möchte, müssen irgendwann die Eltern dazwischengehen.“ 

 

Letztendlich können wir bestätigen, dass weder das Handy noch die sozialen Medien allein schuld daran sind, dass unsere Aufmerksamkeit verschwindet oder wir unser Potenzial nicht voll ausschöpfen. Entscheidend ist, wie wir selbst – und wie Eltern, Schulen und die Gesellschaft – mit Handys umgehen. Verantwortung beginnt im Kleinen: bewusster Konsum, klare Grenzen und der Mut, sich Auszeiten zu nehmen. Wenn wir lernen, Medien als Werkzeug statt als Zeitvertreib unseres Alltags zu sehen, können wir die Vorteile nutzen, ohne unsere Konzentration oder unsere Intelligenz zu gefährden.  

 

 

Alina und Ida, WPU 1  

Flynn, J. R. (1984–2013). One Century of Global IQ Gains. 
Zheng, F., Gao, P., He, M., Li, M., Wang, C., Zeng, Q., & Zhou, Z. (2014). 
https://doi.org/10.1186/1471-2458-14-1026 Rosen, L. D., Carrier, L. M., & Cheever, N. A. (2013). 

In: Computers in Human Behavior, 29(3), 948–958.  https://doi.org/10.1016/j.chb.2012.12.001 

Zitat Naskar, A. (2017).The Gospel of Technology. 

Eigene Erhebung (2025),Allgemeinwissenstest und Bildschirmzeit-Auswertung an der Lornsenschule