Das Deutsche Kaiserreich und seine kolonialen Ambitionen

Eine Einführung 

Das Deutsche Kaiserreich, nach seiner Gründung 1871 zu einer der führenden Mächte Europas aufgestiegen, verfolgte zunächst ein europäisches Machtgleichgewicht, das durch die Annexion von Elsass‑Lothringen und das Bekenntnis zu einer deutschsprachigen Vorherrschaft in Mitteleuropa geprägt war. Gleichzeitig entwickelte sich ein wachsendes Interesse an Übersee‑Kolonien, das von frühen, teils gescheiterten Unternehmungen bis hin zu einer späten, aber entschlossenen Expansion unter Bismarck reichte. 

Reichsgründung 1871 und der Konflikt mit den Franzosen 

Versailles im Jahr 1871. preußische Soldaten stehen still, Kanonen donnern draußen und innen wird in den prunkvollen Hallen Wilhelm I. zum Kaiser ausgerufen vom deutschen Kaiserreich. Es war ein historischer Moment, der die politische Landkarte Europas für Jahrzehnte veränderte mit Deutschland unter Preußen vereint. Es wurde daraufhin eine der mächtigsten Nation der Welt, aber auf dem Weg das zu werden, haben sie Elsass-Lothringen von Frankreich genommen und sich dadurch dort Feinde gemacht. Ein neuer Krieg ist ,,unvermeidlich”, notiert ein französischer Journalist 1871. In Straßburg flüstern die Menschen auf den Märkten, dass die Deutschen nicht bleiben werden. In Berlin dagegen spricht man von einem Bollwerk gegen Frankreich. Daher werden passend Allianzen gebildet. 

Die Pläne für Mitteleuropas und historischen Wurzeln 

Die Pläne haben sich nur auf Europa bezogen, denn die Idee von Mitteleuropa gab es schon vor der Vereinigung. Die Bedeutung von Mitteleuropa hat sich über die Zeit geändert aber im Kern war es immer das Europa unter der Herrschaft von Deutschsprachigen sein sollte. Deutschsprachig, denn vor dem Sieg von Preußen gegen Österreich gab es die Idee von einem Großdeutschland. 

Aber das Verlangen Mitteleuropa zu kontrollieren, geht weit zurück, zu den Zeiten der Kreuzzüge, als der Deutsche Orden Herrschaft von den baltischen Ländern ergriff. Daraufhin wollte die Hanse Europa kontrollieren, welche als Groß-Handelsgesellschaft deutsche Siedler überall auf dem Kontinent angesiedelt hat. Man konnte riesige deutsche Gemeinden in vielen europäischen Hauptstädten finden, wie zum Beispiel Stockholm welches im Mittelalter mehr als ein Drittel deutsch war. Riga, die Hauptstadt von Lettland, hatte im 19. Jahrhundert immer noch fast die Hälfte deutschsprachige Bevölkerung, obwohl sie unter russischer Herrschaft war. Zudem gingen die deutschen Siedler in den Süden wie Bratislava in der Slowakei und sogar in die Bergen von Transsylvanien im heutigen Rumänien. Diese Ausbreitung der deutschen Sprache hat tatsächlich einen Namen, nämlich ,,Ostsiedlung”, das geht, wie gesagt, bis zum Mittelalter zurück. Und gegen Ende vom Barock experimentierten sie mit dem rassistischen Überlegenheitsglauben, der ,,Ostforschung”. Sie kamen zu dem Entschluss, dass sie Zivilisation zu den Slawen, besonders den Polen, gebracht hätten. Dieser Glauben wird zu Mitteleuropa, und bei den Nationalsozialisten zum ,,Lebensraum”.  

Bismarcks Bündnispolitik und sein blick auf Osteuropa 

Alles vorherige sollte den deutschen Einfluss über alle ethnischen Stämme im Zentrum von Europa rechtfertigen, aber das deutsche Kaiserreich, welches zuerst von Bismarck, geführt wurde, mit der Hoffnung ein Gleichgewicht in Europa herzustellen und die Isolation von Deutschland zu vermeiden, unterschrieb Bismarck den ,,Dreikaiserbund” mit Russland und Österreich um dadurch Frankreich, den Erzfeind, zu isolieren. Berlin, Februar 1866. In einem vertraulichen Schreiben an Albrecht von Roon formuliert Bismarck seine Meinung: Die slawischen Völker, so schreibt er, müsse man, ‚, unter einen Hammer packen”. 

Der überraschende deutsche Kurswechsel, Hinwendung zu Kolonien 1884 

Berlin, Frühjahr 1884. Die Schlagzeilen überraschen: Das Reich wendet sich den Kolonien zu. Noch vor wenigen Jahren hatte Bismarck solche Pläne als ‚teurer Unsinn‘ abgetan. Nun jubeln Kolonialvereine und die Weltmächte nehmen Deutschland ernst. Bismarck sehnte sich die meiste Zeit nach keinen Kolonien im Glauben sie seien teurer als sie wert seien. Und er hat sogar die französischen kolonialen Wünsche unterstützt, wie z.b. Tunesien mit der Erwartung, dass es sie von Affären in Europa ablenken würden. Bis 1884 war es friedlich, bis er schnell auf merkwürdige Weise seine Meinung über Kolonien änderte. Niemand weiß warum, es könnte das Volk gewesen sein, welches Kolonien wollte – für Renommee und Ansehen. Es könnte auch sein Alter gewesen sein oder gar in der Annahme die liberalen Kolonialgegner im Reichstag dadurch schwächen zu können. 

Frühe kolonialversuche vor dem Kaiserreich  

Davor gab es aber schon Versuche Kolonien zu beanspruchen, welches seit dem fiebrigen Zeitalter der Erkundung passiert ist. 1526 erhielt die Augsburger Kaufmannsfamilie Welser von König Karl I. die Konzession, in Südamerika eine Kolonie zu gründen. „Klein Venedig“, das heutige Venezuela, sollte Gold und Silber liefern, doch statt Reichtum haben die Kolonisten Hitze, Krankheiten und Widerstand gefunden. Nach wenigen Jahrzehnten brach das Projekt zusammen, dies war ein kurzer, gescheiterter Versuch der deutschen Handelsmacht in der Neuen Welt. Danach versuchte sich das Kurfürstentum Brandenburg in Übersee. Die sogenannte ,,Brandenburgisch-Goldküste“ in Westafrika, heute Teil Ghanas, bestand von 1680 bis 1721 und diente als wichtiger Stützpunkt für den Handel mit Gold, Elfenbein und anderen Waren. Parallel zu diesen brandenburgischen Ambitionen gab es in Deutschland weitere Pläne: Sogar die Stadt Hanau verfolgte die Absicht, Holländisch-Guayana zu kaufen, um dort ein eigenes Königreich zu errichten. Diese Episoden zeigen die frühen und vielfältigen Verstrickungen deutscher Territorien in dem europäischen Kolonialismus. 

Kolonialideen im 19. Jahrhundert: Neuseeland, Taiwan, Texas und Südamerika 

Nun, zurzeit von der Vereinigung Deutschlands, wurde wieder nach Kolonien Ausschau gehalten. Die Hamburger Kolonialgesellschaft beispielsweise versuchte die Chatham Islands bei der Küste von Neuseeland zu kaufen, welches zwar keine Verfolgung des Kolonialtraumes war, aber es wurde als Weg gesehen mit dem Emigrationsproblem der Zeit, tausende von Deutschen verließen ihre Heimat nach Amerika, nur um dort ihre Verbindung und Kultur bei Ankunft zu vergessen, zu arbeiten. Andere sahen es wahrscheinlicher, wie Belgien es vorhatte, Kolonien in bereits bestehenden Ländern zu gründen, wo die neue Republik Texas sehr für geeignet aussah. Also kaufte Graf Ludwig Joseph von Buchwaldeck im Jahr 1843 Land in Fayette County welches aber wegen schlechter Leitung nicht funktionierte. Andere solcher Reisen/Versuche wurden auch in Süd Amerika versucht, besonders in Argentinien und Chile.  

All das passierte zu der Zeit der deutschen Vereinigung, als die Führung Deutschlands noch im Werden war. Es spielten die Mächte Preußen und Österreich eine entscheidende Rolle. In diesem Kontext entsandten die Preußen Fritz zu Uhlenberg auf eine Asienreise. Sein Ziel war es, mit Frankreich und Großbritannien, Möglichkeiten für die Kolonialisierung Taiwans zu erkunden. 1860 betritt Fritz zu Uhlenberg die Häfen Taiwans. Zwischen britischen und französischen Flaggen sucht er nach einem Platz für Preußen. Doch ohne Soldaten bleibt es bei einem Handelsvertrag – die Insel bleibt kolonial für sie uneinnehmbar. 

Bismarcks Ablehnung früher Kolonialangebote 

Später wurden Kolonien unter Bismarck unmittelbar abgelehnt. Schon in den 1860ern bot der Sultan der Sulu-Inseln seine Länder unter preußischen Schutz an. Auch der Herrscher von Vitruland in Afrika versuchte dasselbe. Und im Jahr 1867 verhandelte der Kapitän des Kriegsschiffes Augusta erfolgreich mit dem Präsidenten von Costa Rica, um dort einen Marinestützpunkt zu errichten. Alles wurde von Bismarck offen abgelehnt. Oder als der dänische König nach dem Krieg mit Preußen am Rande war die Svalbard Inseln zu verlieren und angeboten hat dem Deutschen Reich beizutreten und Island den Preußen zu schenken, aber es wurde auch abgelehnt, weil Island nicht in irgendwelchen kommenden Plänen vorkam. Sogar die Holländer haben Bismarck eine Basis auf deren karibischen Inseln versprochen, welche auch abgelehnt wurde, um nicht die amerikanische Monroe Doktrin herauszufordern. Wie erwähnt, im Jahr 1884 änderte Bismarck seine Meinung und die Jagd begann. 

Zeitgenössische Kritik 

Prof. Heinrich von Treitschke (1842‑1896, Historiker und Professor an der Universität Berlin) veröffentlichte mehrere Schriften, in denen er Bismarcks Kolonialpolitik kritisierte. In seiner 1885 erschienenen Abhandlung „Die Kolonialfrage“ argumentierte er, dass die deutschen Kolonien weder wirtschaftlich noch moralisch gerechtfertigt seien und dass sie das nationale Interesse schwächten. Treitschke betonte zudem, dass die Konzentration auf europäische Angelegenheiten und innere Reformen für das Deutsche Reich wichtiger sei als das Streben nach Überseegebieten. „Die Kolonialpolitik ist ein gefährlicher Irrweg, der das Reich von seiner eigentlichen Aufgabe ablenkt. Dem inneren Zusammenhalt.“ 

 

Viele Zitate sind fiktiv und nur als Stilmittel gemeint.