Sport – mehr als ein Hobby

Sport – mehr als ein Hobby

Der Alltag von Schülerinnen und Schülern ist oft ziemlich voll: früh aufstehen, Unterricht, Hausaufgaben, Lernen – und zwischendurch versucht man, den Kopf nicht zu verlieren. Gerade deshalb gibt es diesen Moment, auf den viele sich freuen. Sobald man auf dem Sportplatz steht, die Turnhalle betritt oder die Laufschuhe schnürt, fühlt sich der ganze Stress plötzlich leichter an.   

 

Und manchmal wird es sogar richtig spannend. Ein schneller Pass, ein letzter Sprint, ein Treffer kurz vor Schluss – und für einen Augenblick ist man mitten in einer Szene, die genauso aufregend ist wie ein echtes Spiel am Wochenende. Genau solche Momente zeigen, dass Sport viel mehr ist als nur ein Hobby. Er hilft, den Kopf frei zu bekommen, stärkt den Körper und gibt einem das Gefühl, etwas geschafft zu haben. In einem Alltag, der oft hektisch und anstrengend ist, kann Sport genau das sein, was man braucht, um wieder Energie zu tanken und sich besser zu fühlen. 

 

Sport gehört für viele Jugendliche selbstverständlich zum Alltag – sei es im Unterricht, im Verein oder in der Freizeit. Gerade weil der Schulalltag oft von Leistungsdruck, Terminstress und hohen Erwartungen geprägt ist, bietet körperliche Aktivität für viele eine wichtige Möglichkeit, Abstand zu gewinnen. Um herauszufinden, welche Rolle Sport tatsächlich im Leben von Jugendlichen spielt, wurden mehrere Schülerinnen und Schüler befragt. 

 

Lenja Soll aus der Klasse 9e berichtet, dass sie in ihrer Freizeit reitet und schwimmt. Besonders das Reiten bedeutet ihr viel. „Beim Reiten bin ich in einer anderen Welt und kann vom Stress der Woche entspannen“, erzählt sie. Für Lenja ist Sport nicht nur Bewegung, sondern eine Form der mentalen Erholung. Er hilft ihr, nach langen Schultagen neue Energie zu tanken. Außerdem stellt sie fest, dass sie sich nach sportlicher Aktivität besser konzentrieren kann. 

 

Fiona Berndsen aus der 9. Klasse sieht das anders. Sie empfindet Sport weder als Lernhilfe noch als besondere Entlastung. Dennoch schätzt sie die sozialen Aspekte: Durch sportliche Aktivitäten verbringt sie Zeit mit Freunden und lernt neue Menschen kennen. Besonders wichtig ist ihr, auch außerhalb der gewohnten Schulgruppe Kontakte zu knüpfen. 

 

Eine weitere Schülerin aus dem 9. Jahrgang beschreibt Sport als „Erlösung“. In ihrer Klasse fühlt sie sich häufig unwohl und berichtet, wegen kleiner Fehler ausgelacht zu werden. Sport verschafft ihr Abstand zu dieser belastenden Situation. Dort kann sie sich auf ihre eigenen Fähigkeiten konzentrieren, ohne bewertet oder beobachtet zu werden. „Ohne Sport wäre ich jemand anderes“, sagt sie und betont, dass Bewegung ihr hilft, mit der schwierigen Klassendynamik umzugehen. Gleichzeitig fällt ihr auf, dass sie beim Sport aufmerksamer ist und Inhalte besser behält, weil sie sich auf etwas fokussiert, das ihr Freude bereitet. 

 

In weiteren Gesprächen wurde deutlich, dass der Schulsport nicht immer positiv wahrgenommen wird. Viele empfinden den Unterricht als weniger motivierend als Sportangebote außerhalb der Schule, da Notendruck und die Beobachtung durch Mitschülerinnen und Mitschüler eine Rolle spielen. Häufig steht die Bewertung stärker im Vordergrund als die Freude an der Bewegung, was den Nutzen des Sportunterrichts für einige schmälert. 

 

Neben persönlichen Erfahrungen spielt auch die psychische Entlastung eine zentrale Rolle. Sport ermöglicht es Jugendlichen, für eine gewisse Zeit Abstand von schulischen Anforderungen zu gewinnen und sich auf Bewegung, Gemeinschaft und Spaß zu konzentrieren. Diese Unterbrechungen des Alltags helfen vielen, anschließend strukturierter und gelassener an Aufgaben heranzugehen. Gleichzeitig fördert Sport Fähigkeiten wie Konzentration, Regelbewusstsein und Zielstrebigkeit – Kompetenzen, die auch im schulischen und späteren beruflichen Umfeld wichtig sind. 

 

Wissenschaftliche Untersuchungen unterstützen diese Beobachtungen. Eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln zeigt beispielsweise, dass regelmäßige Bewegung die kognitive Leistungsfähigkeit steigert, da körperliche Aktivität die Durchblutung des Gehirns verbessert. Auch das Bundesministerium für Gesundheit verweist darauf, dass Jugendliche, die sich wenig bewegen, häufiger Konzentrationsprobleme und höhere Stresswerte   aufweisen. Zwar trifft dies nicht auf alle zu, doch die Tendenz ist deutlich. 

 

Fehlt Jugendlichen die Möglichkeit, sich körperlich auszupowern, verlieren sie oft einen   wichtigen Raum, um Spannungen abzubauen und Erfolgserlebnisse außerhalb der Schule zu sammeln. Sport wirkt daher nicht nur körperlich, sondern auch emotional stabilisierend. 

 

Zusammenfassend zeigt sich, dass Sport für viele Schülerinnen und Schüler weit mehr ist als ein Hobby. Er stärkt Konzentration, Wohlbefinden und Lernfähigkeit und bietet einen unverzichtbaren Gegenpol zum oft hektischen Schulalltag. Damit ist Sport ein bedeutender Bestandteil eines gesunden und ausgeglichenen Lebens 

Das Deutsche Kaiserreich und seine kolonialen Ambitionen

Das Deutsche Kaiserreich und seine kolonialen Ambitionen

Eine Einführung 

Das Deutsche Kaiserreich, nach seiner Gründung 1871 zu einer der führenden Mächte Europas aufgestiegen, verfolgte zunächst ein europäisches Machtgleichgewicht, das durch die Annexion von Elsass‑Lothringen und das Bekenntnis zu einer deutschsprachigen Vorherrschaft in Mitteleuropa geprägt war. Gleichzeitig entwickelte sich ein wachsendes Interesse an Übersee‑Kolonien, das von frühen, teils gescheiterten Unternehmungen bis hin zu einer späten, aber entschlossenen Expansion unter Bismarck reichte. 

Reichsgründung 1871 und der Konflikt mit den Franzosen 

Versailles im Jahr 1871. preußische Soldaten stehen still, Kanonen donnern draußen und innen wird in den prunkvollen Hallen Wilhelm I. zum Kaiser ausgerufen vom deutschen Kaiserreich. Es war ein historischer Moment, der die politische Landkarte Europas für Jahrzehnte veränderte mit Deutschland unter Preußen vereint. Es wurde daraufhin eine der mächtigsten Nation der Welt, aber auf dem Weg das zu werden, haben sie Elsass-Lothringen von Frankreich genommen und sich dadurch dort Feinde gemacht. Ein neuer Krieg ist ,,unvermeidlich”, notiert ein französischer Journalist 1871. In Straßburg flüstern die Menschen auf den Märkten, dass die Deutschen nicht bleiben werden. In Berlin dagegen spricht man von einem Bollwerk gegen Frankreich. Daher werden passend Allianzen gebildet. 

Die Pläne für Mitteleuropas und historischen Wurzeln 

Die Pläne haben sich nur auf Europa bezogen, denn die Idee von Mitteleuropa gab es schon vor der Vereinigung. Die Bedeutung von Mitteleuropa hat sich über die Zeit geändert aber im Kern war es immer das Europa unter der Herrschaft von Deutschsprachigen sein sollte. Deutschsprachig, denn vor dem Sieg von Preußen gegen Österreich gab es die Idee von einem Großdeutschland. 

Aber das Verlangen Mitteleuropa zu kontrollieren, geht weit zurück, zu den Zeiten der Kreuzzüge, als der Deutsche Orden Herrschaft von den baltischen Ländern ergriff. Daraufhin wollte die Hanse Europa kontrollieren, welche als Groß-Handelsgesellschaft deutsche Siedler überall auf dem Kontinent angesiedelt hat. Man konnte riesige deutsche Gemeinden in vielen europäischen Hauptstädten finden, wie zum Beispiel Stockholm welches im Mittelalter mehr als ein Drittel deutsch war. Riga, die Hauptstadt von Lettland, hatte im 19. Jahrhundert immer noch fast die Hälfte deutschsprachige Bevölkerung, obwohl sie unter russischer Herrschaft war. Zudem gingen die deutschen Siedler in den Süden wie Bratislava in der Slowakei und sogar in die Bergen von Transsylvanien im heutigen Rumänien. Diese Ausbreitung der deutschen Sprache hat tatsächlich einen Namen, nämlich ,,Ostsiedlung”, das geht, wie gesagt, bis zum Mittelalter zurück. Und gegen Ende vom Barock experimentierten sie mit dem rassistischen Überlegenheitsglauben, der ,,Ostforschung”. Sie kamen zu dem Entschluss, dass sie Zivilisation zu den Slawen, besonders den Polen, gebracht hätten. Dieser Glauben wird zu Mitteleuropa, und bei den Nationalsozialisten zum ,,Lebensraum”.  

Bismarcks Bündnispolitik und sein blick auf Osteuropa 

Alles vorherige sollte den deutschen Einfluss über alle ethnischen Stämme im Zentrum von Europa rechtfertigen, aber das deutsche Kaiserreich, welches zuerst von Bismarck, geführt wurde, mit der Hoffnung ein Gleichgewicht in Europa herzustellen und die Isolation von Deutschland zu vermeiden, unterschrieb Bismarck den ,,Dreikaiserbund” mit Russland und Österreich um dadurch Frankreich, den Erzfeind, zu isolieren. Berlin, Februar 1866. In einem vertraulichen Schreiben an Albrecht von Roon formuliert Bismarck seine Meinung: Die slawischen Völker, so schreibt er, müsse man, ‚, unter einen Hammer packen”. 

Der überraschende deutsche Kurswechsel, Hinwendung zu Kolonien 1884 

Berlin, Frühjahr 1884. Die Schlagzeilen überraschen: Das Reich wendet sich den Kolonien zu. Noch vor wenigen Jahren hatte Bismarck solche Pläne als ‚teurer Unsinn‘ abgetan. Nun jubeln Kolonialvereine und die Weltmächte nehmen Deutschland ernst. Bismarck sehnte sich die meiste Zeit nach keinen Kolonien im Glauben sie seien teurer als sie wert seien. Und er hat sogar die französischen kolonialen Wünsche unterstützt, wie z.b. Tunesien mit der Erwartung, dass es sie von Affären in Europa ablenken würden. Bis 1884 war es friedlich, bis er schnell auf merkwürdige Weise seine Meinung über Kolonien änderte. Niemand weiß warum, es könnte das Volk gewesen sein, welches Kolonien wollte – für Renommee und Ansehen. Es könnte auch sein Alter gewesen sein oder gar in der Annahme die liberalen Kolonialgegner im Reichstag dadurch schwächen zu können. 

Frühe kolonialversuche vor dem Kaiserreich  

Davor gab es aber schon Versuche Kolonien zu beanspruchen, welches seit dem fiebrigen Zeitalter der Erkundung passiert ist. 1526 erhielt die Augsburger Kaufmannsfamilie Welser von König Karl I. die Konzession, in Südamerika eine Kolonie zu gründen. „Klein Venedig“, das heutige Venezuela, sollte Gold und Silber liefern, doch statt Reichtum haben die Kolonisten Hitze, Krankheiten und Widerstand gefunden. Nach wenigen Jahrzehnten brach das Projekt zusammen, dies war ein kurzer, gescheiterter Versuch der deutschen Handelsmacht in der Neuen Welt. Danach versuchte sich das Kurfürstentum Brandenburg in Übersee. Die sogenannte ,,Brandenburgisch-Goldküste“ in Westafrika, heute Teil Ghanas, bestand von 1680 bis 1721 und diente als wichtiger Stützpunkt für den Handel mit Gold, Elfenbein und anderen Waren. Parallel zu diesen brandenburgischen Ambitionen gab es in Deutschland weitere Pläne: Sogar die Stadt Hanau verfolgte die Absicht, Holländisch-Guayana zu kaufen, um dort ein eigenes Königreich zu errichten. Diese Episoden zeigen die frühen und vielfältigen Verstrickungen deutscher Territorien in dem europäischen Kolonialismus. 

Kolonialideen im 19. Jahrhundert: Neuseeland, Taiwan, Texas und Südamerika 

Nun, zurzeit von der Vereinigung Deutschlands, wurde wieder nach Kolonien Ausschau gehalten. Die Hamburger Kolonialgesellschaft beispielsweise versuchte die Chatham Islands bei der Küste von Neuseeland zu kaufen, welches zwar keine Verfolgung des Kolonialtraumes war, aber es wurde als Weg gesehen mit dem Emigrationsproblem der Zeit, tausende von Deutschen verließen ihre Heimat nach Amerika, nur um dort ihre Verbindung und Kultur bei Ankunft zu vergessen, zu arbeiten. Andere sahen es wahrscheinlicher, wie Belgien es vorhatte, Kolonien in bereits bestehenden Ländern zu gründen, wo die neue Republik Texas sehr für geeignet aussah. Also kaufte Graf Ludwig Joseph von Buchwaldeck im Jahr 1843 Land in Fayette County welches aber wegen schlechter Leitung nicht funktionierte. Andere solcher Reisen/Versuche wurden auch in Süd Amerika versucht, besonders in Argentinien und Chile.  

All das passierte zu der Zeit der deutschen Vereinigung, als die Führung Deutschlands noch im Werden war. Es spielten die Mächte Preußen und Österreich eine entscheidende Rolle. In diesem Kontext entsandten die Preußen Fritz zu Uhlenberg auf eine Asienreise. Sein Ziel war es, mit Frankreich und Großbritannien, Möglichkeiten für die Kolonialisierung Taiwans zu erkunden. 1860 betritt Fritz zu Uhlenberg die Häfen Taiwans. Zwischen britischen und französischen Flaggen sucht er nach einem Platz für Preußen. Doch ohne Soldaten bleibt es bei einem Handelsvertrag – die Insel bleibt kolonial für sie uneinnehmbar. 

Bismarcks Ablehnung früher Kolonialangebote 

Später wurden Kolonien unter Bismarck unmittelbar abgelehnt. Schon in den 1860ern bot der Sultan der Sulu-Inseln seine Länder unter preußischen Schutz an. Auch der Herrscher von Vitruland in Afrika versuchte dasselbe. Und im Jahr 1867 verhandelte der Kapitän des Kriegsschiffes Augusta erfolgreich mit dem Präsidenten von Costa Rica, um dort einen Marinestützpunkt zu errichten. Alles wurde von Bismarck offen abgelehnt. Oder als der dänische König nach dem Krieg mit Preußen am Rande war die Svalbard Inseln zu verlieren und angeboten hat dem Deutschen Reich beizutreten und Island den Preußen zu schenken, aber es wurde auch abgelehnt, weil Island nicht in irgendwelchen kommenden Plänen vorkam. Sogar die Holländer haben Bismarck eine Basis auf deren karibischen Inseln versprochen, welche auch abgelehnt wurde, um nicht die amerikanische Monroe Doktrin herauszufordern. Wie erwähnt, im Jahr 1884 änderte Bismarck seine Meinung und die Jagd begann. 

Zeitgenössische Kritik 

Prof. Heinrich von Treitschke (1842‑1896, Historiker und Professor an der Universität Berlin) veröffentlichte mehrere Schriften, in denen er Bismarcks Kolonialpolitik kritisierte. In seiner 1885 erschienenen Abhandlung „Die Kolonialfrage“ argumentierte er, dass die deutschen Kolonien weder wirtschaftlich noch moralisch gerechtfertigt seien und dass sie das nationale Interesse schwächten. Treitschke betonte zudem, dass die Konzentration auf europäische Angelegenheiten und innere Reformen für das Deutsche Reich wichtiger sei als das Streben nach Überseegebieten. „Die Kolonialpolitik ist ein gefährlicher Irrweg, der das Reich von seiner eigentlichen Aufgabe ablenkt. Dem inneren Zusammenhalt.“ 

 

Viele Zitate sind fiktiv und nur als Stilmittel gemeint. 

Spaß, Spiel und ganz viel Pferde – Reittherapie

Spaß, Spiel und ganz viel Pferde – Reittherapie

Während Gisi ihre Ponys vom Paddock holt riecht sie den vertrauten Duft ihrer Pferde. Sie nimmt ihre Ponys Mausi und Malibu mit in den Stall und putzt sie, sattelt sie und zieht ihren Bollerwagen mit der Spielekiste rüber in die Reithalle. Dann kommen auch endlich die Pferde mit rüber zur Reithalle. Noch ist es ruhig im Stall. Als Gisi mit den Ponys in die Halle geht läuft Mausi sofort los. Sie läuft sich schon mal warm für das erste Therapie Kind, was gleich auf ihrem Rücken sitzen wird. Auch Gisi bereitet sich für die ersten Kinder vor. Sie baut die Spiele auf, die das Kind gleich vom Pferderücken aus machen soll. 

Gisi war schon als Kind im Reitsport aktiv und ist mit Tieren groß geworden, nachdem sie nach der Geburt ihrer Töchter aus der Elternzeit raus war, wollte sie nicht mehr zurück in ihren alten Beruf und hat geschaut, welche beruflichen Möglichkeiten es rund um ihr Hobby (Reitsport) gibt. Sie ist dann auf eine Reittherapeutin in der Nähe ihres Wohnorts aufmerksam geworden und hat sich bei ihr zu einem Praktikum angemeldet. Da ist dann der Funke übergesprungen und der Entschluss ist gereift, die zweijährige Ausbildung zur Reittherapeutin zu absolvieren. 

Reittherapie soll bei Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung helfen die ganzheitliche Entwicklung zu fördern, dabei steht die Beziehung zwischen Mensch und Tier im Mittelpunkt, diese bezieht sich auf die Achtsamkeit, Ruhe und nonverbale Kommunikation. Doch nicht nur das soll im Mittelpunkt stehen, sondern natürlich auch der Spaß, denn Entenangeln, Bogenschießen und Ringe werfen fördern nicht nur die Konzentration, sondern auch die Geduld. 

,,Die größten Herausforderungen in der Reittherapie liegen oftmals außerhalb der eigentlichen Therapiestunde. Z.B. die Integration der Reittherapie in das schulische und familiäre Umfeld”, erklärt die Reittherapeutin Gisi. Doch nicht nur das, denn es muss auch einen freien Therapieplatz geben oder man wird ,,nur” auf eine Warteliste gesetzt. Für manche Eltern und Erziehungsberechtigte stellt sich auch die Frage, ob man durch die Krankenkasse oder bei Ämtern Anträge für die Übernahme der Kosten stellen kann, denn eigentlich übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Reittherapie nicht. 

 Aber nicht nur der Mensch (Therapeut/in) muss in der Therapie eingespielt sein, sondern auch das Pferd/Pony muss mit der Therapie klarkommen. Gisi erklärt:,, Nicht jedes Pferd ist für Reittherapie geeignet.” 

 Die Auswahl eines Therapie-Pferdes/Ponys bedarf große Sorgfalt, da viele der erforderlichen ,,Charaktereigenschaften” nicht anerzogen oder ausgebildet werden können, sondern bereits dem Naturell des Pferdes/Ponys entsprechen müssen. Das Pferd/Pony darf sich weder durch unerwartete Berührung oder Annäherung wie zum Beispiel Zerren an Mähne oder Schweif, ,,Unter dem Pferd/Pony hindurch” – Laufen oder Kriechen, Schlagen; unbemerktes Annähern von hinten, noch durch Lärm wie unvermitteltes Schreien oder einen lauten Knall aus der Ruhe bringen lassen. Dennoch bleibt ein Pferd/Pony instinktiv immer auch ein ,,Fluchttier”. Deshalb bleibt ein organisatorisches, ruhiges Umfeld, die alleinige Nutzung der Reithalle, kein Publikumsverkehr etc. und die individuellen Sicherheitsmaßnahmen, also ein geeigneter Reitplatz/Untergrund, Sicherheitssteigbügel, Reithelm, ggf. auch Schutzweste, Begleitperson neben dem Pferd/ Pony etc. immer besonders wichtig!”  

Die grundsätzliche Durchführung der Reittherapie entspricht dem Ziel, diese individuell an jedes Kind anzupassen. Die Kinder, die eine Diagnostizierte Aufmerksamkeitsdefizit-/zw. Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben, haben andere Therapiebedarfe als Kinder mit einem körperlichen, geistigen oder Mehrfach-Handicap. Die Basis für die Auswahl der Therapie – Maßnahmen für die Reittherapie bildet meistens eine Kinder – ärztliche bzw. Kinder – Psychologische Diagnose. Gisi erzählt, dass sie sich in der ersten Therapiestunde, die als Schnupperstunde gilt, einen Überblick verschafft, ob und wie das Kind auf das Pony reagiert.  

Eine Therapie kann naturgemäß nur dann stattfinden und erfolgreich sein, wenn das Kind angstfrei und positiv auf das Pony reagiert. Es kann sich auch, aber eher selten zeigen, dass ein Kind (noch) nicht bereit für die Reittherapie ist. Die Entscheidung zur Reittherapie wird allein von dem Therapeuten/ der Therapeutin gefällt, das Kind kann also nicht zur Therapie ,,gezwungen” werden. Die gewählten Therapiemaßnahmen werden im Laufe der Therapie fortlaufend an den Therapie – Fortschritt angepasst. Einige Kinder reagieren spontan und positiv auf die Reittherapie, andere tasten sich vorsichtig vor und bauen ihr vertrauen langsamer auf. Die Reaktionen auf die Therapie kann man schon regelmäßig und nach wenigen Therapiestunden erkennen. Dabei wird auch sichtbar, welche Therapiemaßnahmen sich erkennbar positiv auf das Kind auswirken und/ oder welche Maßnahmen keinen Erfolg versprechen. Am Anfang steht jedoch das Pony als therapeutisches Medium im Fokus. Der Umgang mit dem Pony wird von allen Wahrnehmungskanälen der Kinder angesprochen. 

Am Anfang lässt sich das Kind erstmal nur ,,tragen”, dadurch wird zeitgleich die Körperwahrnehmung und die Körperspannung also das Gleichgewicht und die emotionale Ebene der Entspannung und Beruhigung positiv beeinflusst. Im weiteren Verlauf werden dann spielerische Elemente in die Therapiemaßnahmen intrigiert. Dabei steht das Training der Feinmotorik (Geschicklichkeit) und der Konzentrationsfähigkeit im Fokus.   

,,Um die Feinmotorik zu üben, bereitet es den Kindern große Freude Ball – Spiele vom Ponyrücken aus zu spielen”, erzählt Gisi fröhlich. Doch man spielt nicht nur Ballspiele auf dem Pferd, sondern auch Bogenschießen, oder ein Spiel, bei denen die Kinder gegenseitig die Klammer verstecken, dann sagen, ob die Klammer in der Halle oder an einer Person/ Pferd ist und diese dann suchen, dies passiert immer abwechselnd. 

 Ein Spiel, welches die Farben und Formen trainiert ist das Eierspiel. Bei dem Spiel geht es darum, dass die Kinder die Eier, in denen auf der Innenseite Formen in verschiedenen Farben sind, zusammenstecken müssen. Fast so ähnlich wie das Steckwürfelspiel aus dem Kindergarten.  Ein Spiel, welches den Kindern auch sehr viel Spaß bereitet ist, das Ringe werfen Spiel. Bei dem Spiel müssen die Kinder vom Ponyrücken aus den Ringen werfen. Einige Kinder, die schon in der Schule sind, oder bald in die Schule kommen haben viel Spaß ihre erzielten Punkte zusammen zu rechnen. Die Kinder freuen sich dann immer riesig, wenn sie eine hohe Punktzahl zusammengerechnet haben.  

Natürlich ist man bei der Reittherapie nicht allein. Es ist immer mindestens eine Person neben dem Pferd und immer 2-3 weitere Kinder in der Halle. Mit den Kindern, die bei einem mit reiten kann man zusammen Spiele spielen oder vom Tag erzählen. Natürlich sind auch häufig Geschwisterkinder in der Reittherapie.  

Gisi erzählt, dass einige Eltern auch Klamotten, oder Spielsachen mitbringen, die den Kindern nicht mehr gefallen oder passen, dann gibt Gisi diese Sachen an andere Kinder weiter. Diese wiederum bringen die Sachen, wenn sie ihren Kindern zu klein geworden sind, wieder mit zu Gisi und sie gibt die dann an die nächsten weiter. 

Bei der Reittherapie geht es nicht nur darum, Spiele vom Pferd zu spielen und zu rechnen, Farben zu erkennen oder einfach über den Alltag zu reden und die Seele baumeln zu lassen, sondern auch darum, dass die Kinder den Umgang mit dem Pferd lernen, vielleicht mal einen kleinen Trab wagen und über ihre Grenzen hinauszukommen.